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Veröffentlicht am:    Thema: Zeit

Was Sie schon immer über Lebenszeitkonten wissen wollten

Was Sie schon immer über Lebenszeitkonten wissen wollten

Überstunden sammeln für eine frühere Rente oder im Sabbatical den Kopf frei bekommen? Für konsequente Work-Life-Balance sind Lebenszeitarbeitskonten ein tolles Tool. Aber was müssen Unternehmen beachten?

Auf einem Lebensarbeitszeitkonto sparen Angestellte über ihr gesamtes Arbeitsleben hinweg Arbeitszeit an. Die angesparte Zeit kann zu verschiedenen Zwecken von dem Lebensarbeitszeitkonto abgerufen werden. Zum Beispiel für ein Sabbatical, oder um früher aus dem Beruf auszuscheiden. Obwohl Arbeitnehmer das Instrument sehr schätzen, scheuen Arbeitgeber oft den damit verbundenen administrationsaufwand und machen einen Bogen um das Lebensarbeitszeitkonto. Das ist mehr als unbegründet.

Was ist ein Lebensarbeitszeitkonto?

Das Prinzip: Mit dem Lebensarbeitszeitkonto lässt sich Arbeitszeit sparen und für längere Phasen der Freistellung nutzen. Während der Freistellungsphase bleibt nicht nur das Beschäftigungsverhältnis weiter bestehen. Auch die Lohnzahlungen werden fortgesetzt.

Das Guthaben auf einem Lebensarbeitszeitkonto setzt sich zum Beispiel aus den folgenden Bestandteilen zusammen:

  • angesammelte Überstunden
  • nicht eingelöste Urlaubszeiten
  • ggf. Boni und Sonderzahlungen

Die rechtliche Grundlage für ein Lebensarbeitszeitkonto wurde mit dem „Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen“ oder auch Flexi II-Gesetz im Jahr 2009 geschaffen. Seitdem ist es möglich, geleistete Arbeitszeit über einen längeren Zeitraum zu sparen und bei Bedarf erst nach mehreren Jahren gegen Freizeit einzutauschen.

Wozu werden Lebenszeitkonten gebraucht?

Das ist gut. Denn so mancher Arbeitnehmer träumt von einer längeren Auszeit, ohne dafür den eigenen Job an den Nagel hängen zu müssen. Dafür ist das Lebensarbeitszeitkonto oder Zeitkonto das optimale Tool. Es kann auch unvorhergesehene Momente im Leben geben, für die Arbeitnehmer eine längere berufliche Pause einlegen müssen. Das kann die Pflege eines Angehörigen sein oder ein plötzlicher Unfall des Partners.

Dann ist es gut, sich flexibel von der Arbeit freistellen lassen zu können, ohne auf das gewohnte Einkommen verzichten zu müssen. Das Entgelt beträgt dann zwischen 70 bis maximal 130 Prozent dessen, was in den 12 Monaten zuvor verdient wurde. Die Freistellungsdauer variiert je nach Höhe des Auszahlungsbetrags.

Mehr Flexibilität in verschiedenen Lebenslagen

Insgesamt dient das Lebensarbeitszeitkonto dazu, Arbeitnehmern in den unterschiedlichsten Lebenslagen ein wenig mehr Flexibilität zu verschaffen:

  • Um die Elternzeit zu verlängern
  • Um früher in Rente zu gehen
  • Um ein Sabbatical zu absolvieren
  • Um vorübergehend in Teilzeit zu arbeiten
  • Um berufsbegleitend zu studieren

Doch wie lange dauert es, um beispielsweise sein Lebensarbeitszeitkonto für eine einjährige Auszeit zu füllen?

Dazu ein kleines Rechenbeispiel: Wer Vollzeit in einer 40-Stunden-Woche arbeitet, muss rund 2.030 Überstunden ansammeln, um – bei voller Bezahlung – ein Jahr früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden zu können. Bedeutet: Wer drei Stunden pro Woche in sein Lebensarbeitszeitkonto einzahlt, spart rund 15 Jahre lang an, um ein Jahr früher aus dem Job auszusteigen.

Wo liegen die Vorteile von Lebenszeitkonten?

Unterm Strich sind Lebenszeitkonten ein Mehrwert, mit dem Arbeitgeber gegenüber ihren Mitarbeitern punkten können. Immerhin ist der Wunsch, seine Arbeitszeiten flexibler gestalten und den eigenen Lebensumständen besser anpassen zu können, in den letzten Jahren stark angestiegen. Das belegt die Studie „Globale Candidate Preferences“ von Manpower. Für diese wurden 14.000 Berufstätige im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in 19 Ländern befragt.

Die Befragten gaben darüber Auskunft, welche Faktoren für sie bei der Jobsuche entscheidend sind. Eines der Ergebnisse: Zwei Drittel (63%) der Arbeitnehmer sind der Meinung, die eigenen Arbeitszeiten besser in das eigene Leben integrieren zu wollen. Hierzu bietet das Lebensarbeitszeitkonto die perfekte Möglichkeit.

Lebensarbeitszeitkonto: Arbeitgeber lassen Chancen ungenutzt

Wirklich genutzt wird das Instrument laut einer Studie der Gothaer Versicherung und des F.A.Z.-Instituts allerdings nicht. Der Erhebung zufolge wünschen sich 41 Prozent aller Arbeitnehmer ein Lebensarbeitszeitkonto und weitere 35,3 Prozent finden das Modell interessant. Angeboten wird es derzeit aber nur von den wenigsten Arbeitgebern. Damit verpassen sie wichtige Chancen, mit denen sie sich Pluspunkte bei ihren Arbeitnehmern und auch Bewerbern sichern könnten.

Der Hintergrund: Besonders die jüngeren Generationen gehen davon aus, länger bis zum Ruhestand arbeiten zu müssen, als noch die Generationen vor ihnen. Da ist der Ausblick, die Lebensarbeitszeit mit einem Lebensarbeitszeitkonto verkürzen zu können, doch durchaus tröstlich und stärkt die Mitarbeiterbindung massiv.

Schließlich steigt man aus einem Unternehmen, bei dem man das Lebenszeitkonto gut gefüllt hat, ungern frühzeitig wieder aus, um dann nicht nur einen Arbeitgeber mit einem solchen Angebot finden zu müssen, sondern vor allem wieder bei 0 mit dem Ansparen beginnen zu müssen.  Denn falls ein Mitarbeiter die Firma wechselt, kann der neue Arbeitgeber das Guthaben übernehmen, muss er aber nicht.

Außerdem besteht sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite ein erhöhter administrativer Aufwand, der mit der Pflege des Lebensarbeitszeitkontos einher geht. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Technik lässt sich dies auf ein Minimum reduzieren.

Alle zeitwirtschaftlichen Daten der Mitarbeiter automatisch erfassen

Ohnehin sind laut EU-Verordnung alle Unternehmen verpflichtet, die Zeiten ihrer Arbeitnehmer zu erfassen. Viele führen daher in der nächsten Zeit digitale Zeiterfassungssysteme ein. Das ist schon einmal die halbe Miete. Eine Herausforderung bei der Zeiterfassung kann sich allerdings bei der Dokumentation flexibler Arbeitszeitmodelle oder bei der Zeiterfassung für Arbeitnehmer ergeben, die regelmäßig im Homeoffice arbeiten.

Hier bietet sich eine integrierte Zeiterfassung an. Das funktioniert über die Anbindung eines Drittsystems an die eigene ERP-Software. Für Unternehmen, die Mitarbeiter im Außendienst angestellt haben, sind mobile Apps eine tolle Lösung. So kann unabhängig vom Standort durch ein Tablet oder Smartphone die Erfassung der Arbeitszeit aufgerufen und festgehalten werden.

Auf diese Weise werden alle zeitwirtschaftlichen Daten der Mitarbeiter eines Unternehmens zusammengetragen:

  • Anwesenheitszeiten
  • Fehlzeiten
  • Urlaubszeiten
  • Weiterbildungszeiten
  • Komm- und Gehzeiten
  • Pausenzeiten
  • Überstunden

Die HR-Abteilung kann die Arbeitszeiten eines Mitarbeiters dann mit wenigen Klicks auf verschiedene Projekte oder Kostenstellen verteilen – auch auf das Lebensarbeitszeitkonto. So sind effiziente Abläufe Programm.

Unser Tipp: Bereiten Sie sich jetzt schon auf die Anforderungen moderner und zukünftiger Arbeitswelten vor. Flexibilität und Transparenz ermöglichen eine Vielzahl verschiedener Arbeitszeitmodelle.

Haben Sie Fragen zu Lebensarbeitszeitkonten oder können schon aus eigener Erfahrung berichten, welche Schwierigkeiten sich ergeben oder wie sich das Angebot auf die Mitarbeiterbindung und Zufriedenheit im Unternehmen auswirkt? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

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