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Veröffentlicht am:    Thema: Unternehmensgründung

Businessplan erstellen: So geht’s

Wie erstelle ich einen Businessplan? | Infoniqa Blog

Canvas, SWOT, TAKE OFF: Es gibt verschiedene Modelle, die Start-ups beim Erstellen eines Businessplans Hilfe bieten. Trotzdem gibt es Regeln zu beachten.

Was ist ein Businessplan?

Der ehemalige General und US-Präsident Dwight D. Eisenhower bringt es auf den Punkt: «Ein Plan ist nichts, Planung ist alles». Das gilt auch für die Firmengründung: Wer sich stur an einen theoretischen Plan hält, wird schnell von der Wirklichkeit überholt. Wer sich keine Gedanken zur Zukunft macht, wird genauso schnell scheitern. Ein detaillierter Businessplan hilft, sich auf das Abenteuer Selbständigkeit vorzubereiten.

Benötigt ein Start-up finanzielle Unterstützung von einer Bank oder von Investoren, kommen die Firmengründer nicht um einen detaillierten Businessplan herum. Doch auch Jungunternehmer, die den Firmenstart aus eigener Kraft finanzieren, sollten sich im Vorfeld einige Fragen stellen. «Heute geschieht das leider immer noch viel zu selten», stellt Michele Blasucci, CEO von STARTUPS.CH, fest. Blasucci unterstützt mit seiner Firma Start-ups, unter anderem auch beim Verfassen eines Businessplans. «Einen Businessplan macht man erst in zweiter Linie für den Geldgeber,» betont der Berater. «In erster Linie macht man ihn für sich selbst.» Nur so könne man sich Klarheit verschaffen über die wichtigsten Fragen zur Zukunft seiner Firma.

Ein Geschäftsplan soll aufzeigen, mit welchen Mitteln eine Geschäftsidee verwirklicht werden kann. Er enthält Aussagen zur Strategie, zur Marktsituation, zu geplanten Massnahmen und auch zum errechneten Finanzbedarf. Im Businessplan werden grundsätzlich die Geschäftsidee, die geplanten Tätigkeiten und die Zielsetzungen festgehalten. Er richtet sich auch an potenzielle Geschäftspartner und Investoren, die mit dem Businessplan unter anderem über die Chancen und Risiken des Unternehmens informiert werden sollen.

Nicht immer muss die Neugründung eines Unternehmens die Ausgangslage für einen Businessplan sein. Beispiele für weitere Gründe, einen Businessplan zu erstellen, sind etwa:

  • Investitionsbedarf für neue Produkte
  • Ausbau der Geschäftstätigkeiten, Expansion
  • Übernahme einer Firma
  • Nachfolgeplanung, Umstrukturierungen
  • Zusammenarbeit mit Partnern oder Beratern
  • Anfrage für eine Kredit- oder Leasingfinanzierung

Canvas und TAKE OFF!

Es gibt diverse Methoden, wie ein Geschäftsplan erarbeitet werden kann. Eine sehr bekannte ist das Business-Modell Canvas. Hiermit werden im Vorfeld die zentralen Faktoren für den Geschäftserfolg benannt, analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt:

  • Kundensegment: Mit wem will man Geld verdienen?
  • Werteversprechen: Was will man dem Kunden an Produkten, Services und Dienstleistungen bieten?
  • Kanäle: Wo und wie spreche ich die Kunden an?
  • Kundenbeziehungen: Wie soll diese Beziehung aussehen? Persönlich, automatisiert?
  • Einnahmequellen: Hier beschreibt man seine Preisstrategie.
  • Schlüsselressourcen: Ressourcen und Infrastruktur für den Betrieb
  • Schlüsselaktivitäten: Was ist nötig, damit das Angebot lanciert werden kann?
  • Schlüsselpartner: Mit wem muss man allenfalls zusammenarbeiten?
  • Kostenstruktur: Die Finanzplanung

STARTUPS.CH fasst den Businessplan mit dem Kürzel TAKE OFF! zusammen:

  • Tätigkeit: Die Geschäftsidee und wie sie zustande kam.
  • Abnehmer: Potenzielle Kunden und Zielsegment
  • Konkurrenz: Die genaue Analyse der Mitbewerber
  • Eintritt: Wie soll sich die Firma am Markt positionieren?
  • Organisation: Aufbau und Prozesse in der neuen Firma
  • Fernsicht: Einflüsse von Ausserhalb, am besten mittels einer SWOT-Analyse
  • Finanzen: Absatz-, Umsatz- und Kostenplanung.

Es empfiehlt sich, am Anfang des Businessplans ein Executive Summary zu machen. Dieses fasst den Inhalt des Businessplans zusammen, um potenzielle Geschäftspartner, Stakeholder und Investoren kurz und prägnant zu informieren. Am Schluss folgt das Management Summary. Es wird erst dann erstellt, wenn man sich über den Rest des Businessplans völlige Klarheit verschafft hat.

Die oben erwähnte SWOT-Analyse dient der Positionsbestimmung und der Strategieentwicklung, sie ist ein wichtiger Bestandteil des Businessplans. Analysiert werden folgende Faktoren:

S – Strength (Stärken)

W – Weaknesses (Schwächen)

O – Opportunities (Chancen)

T – Threats (Risiken)

Aus der SWOT lassen sich bereits Strategien ableiten, etwa indem man Stärken mit Chancen (sog. SO-Strategie) kombiniert.

Businessplan schreiben: Die Grundregeln

Lassen Sie sich Zeit. Alle zusammengetragenen Faktoren stehen in Bezug zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Entsprechend hart ist der Weg zu einem sauberen Businessplan. «Zwei bis drei Wochen Aufwand muss man betreiben», ist Blasucci überzeugt.

Achten Sie auf die Sprache. Ein sauberer Businessplan bietet nicht nur nachvollziehbare Zahlen, sondern sollte auch in sprachlich korrekt verfasst, ansprechend gestaltet und sauber gebunden sein, betont Blasucci.

Überprüfen Sie die Rentabilität. Gerade den Zahlenteil – also das Kapitel «Kostenstruktur» in der Canvas-Methode oder «Finanzen» bei TAKE OFF – sollte man als Firmengründer einer kritischen Kontrolle unterziehen. Michele Blasucci rät zu einer radikalen Methode: «Ist der erste Plan aufgestellt, sollte man die Einnahmen halbieren und die Ausgaben verdoppeln. Geht es dann immer noch auf, ist man auf dem richtigen Weg».

Halten Sie sich kurz. Beim Verfassen eines Businessplans sollte man immer auch an die Leserinnen und Leser denken. Niemand will einen 200-seitigen Roman lesen, in dem detailverliebt auch die letzten technischen Details der genialen Lösung ausgeführt werden. 20 Seiten müssen reichen. Am wichtigsten ist aber die Zusammenfassung oder das Managements Summary. Gerade viel beschäftigte Bankmanager oder Investoren nehmen sich selten die Zeit, den ganzen Businessplan zu studieren. Sie wollen im Management-Summary das wichtigste kurz, knapp, klar und logisch erklärt haben.

Holen Sie sich Hilfe. Gerade mit der sprachlichen Präzision tun sich die meisten Firmengründer schwer. Nicht jedem ist es gegeben, sprachlich auf Top-Niveau einen schwierigen Zusammenhang einfach und einleuchtend zu erklären. Die Hilfe von Fachleuten ist hier gut investiertes Geld. Nur schon Freunde und Kollegen, die den Businessplan kritisch lesen und Verbesserungsvorschläge machen, können eine grosse Hilfe sein. «Wer in der Zusammenfassung Fehler macht, schlampig arbeitet oder die wichtigsten Fragen nicht klar beantworten kann, hat bereits verloren», so Blasucci.

Planen Sie die ersten Schritte. Eine Gründung ist immer ein Wagnis. Gute Vorbereitung hilft, die ersten Monate und Jahre besser zu überstehen. Unwägbarkeiten und Überraschungen kommen garantiert. Die kann kein noch so detaillierter Plan voraussehen. Eine gute Planung ist aber immer hilfreich.

Infoniqa-Partnerschaft mit STARTUPS.CH

Infoniqa unterhält eine Partnerschaft mit dem Start-up-Portal STARTUPS.CH, um Schweizer Jungunternehmer optimal zu unterstützen. Wer sein Unternehmen über STARTUPS.CH gründet, profitiert gleich doppelt: von einer breiten Beratungspalette und von attraktiven Konditionen bei Partnerangeboten – wie z. B. bei Infoniqa ONE Start, der Business-Software für Start-ups.

Der Businessplan im etablierten Unternehmen

«Ein Businessplan ist etwas für Start-ups. Etablierte Firmen laufen wie von alleine, da reicht ein Jahresbudget.» So die weit verbreitete Meinung. Nur: Stimmt das auch? Wie oft liegt das Budget Ende Jahr daneben, weil es eben doch nicht die Realität verkörperte? Gerade bei anstehenden Veränderungen lohnt sich ein anderes Vorgehen: Ein Businessplan dient als Wegweiser durch das Dickicht aus Vermutungen, Wünschen und Plänen. Natürlich soll aus einem Businessplan auch ein belastbares Budget entstehen. Aber nicht in erster Linie. Der Businessplan für ein etabliertes Unternehmen sollte noch einige zusätzliche Punkte berücksichtigen, die beim Businessplan für Start-ups nicht relevant sind.

 

Infoniqa ONE Start für Firmengründer | Infoniqa Blog

Ist-Analyse erstellen

Am Anfang steht die ungeschminkte Wahrheit: Wie läuft das Geschäft? Warum laufen gewisse Angebote nicht bzw. nicht so gut, wie sie sollten? Warum laufen andere gut? Mit dieser Analyse verschaffen Sie sich ein realistisches Bild von der aktuellen Situation Ihres Unternehmens als Ausgangslage für den Businessplan. Sie werden die «Pain points», Stärken und Chancen identifizieren, bei denen Sie ansetzen müssen. Empfehlenswert ist der Beizug eines externen Moderators, der eine komplett andere Optik mitbringt und eingefahrene Argumentationen hinterfragt.

Ziele festlegen

Nach der Ist-Analyse legen Sie die Ziele fest. Formulieren Sie Ziele spezifisch, messbar, ansprechend, realistisch und terminiert (SMART). Womit wollen Sie am Markt bestehen? Wollen Sie ein neues Produkt oder einen neuen Service einführen oder ein Angebot verändern? Auch hier sollten Sie keine Luftschlösser bauen, sondern realistisch bleiben. Es schadet nicht, mal wieder die eigenen Kunden nach ihren Bedürfnissen zu befragen. Sobald Sie ein Ziel festgelegt haben, sollten Sie versuchen, den Weg in einzelne Meilensteine aufzuteilen. So behalten Sie die Übersicht und können bei Verzögerungen rechtzeitig intervenieren.

Veränderungen im Unternehmen berücksichtigen

Ziele sind etwas Schönes, aber sie sollten auch erreicht werden. Dies funktioniert nur, wenn Sie auch über das «Wie» Rechenschaft ablegen. Denn Wachstum und Veränderung bewegen nicht nur die Umsatzzahlen, sondern den gesamten Betrieb. Überlegen Sie, wo Veränderungen welche Auswirkungen haben. Konkret gehen folgende interne Bereiche gerne vergessen:

  • Organisation: Trägt die heutige Organisation die Veränderung, oder muss sie angepasst werden? Stimmen die Zuständigkeiten, Abhängigkeiten und Prozesse noch?
  • Mitarbeitende: Wen benötigen Sie künftig und vor allem: Wie finden Sie diese Spezialistinnen und Spezialisten?
  • Kommunikation: Oft unterschätzt und nachträglich als Störfaktor identifiziert. Was mit vier Leuten noch auf Zuruf funktioniert, muss mit 10 Leuten als Prozess definiert werden. Sich darüber bereits im Businessplan Gedanken zu machen, hilft, Reibungsverluste zu minimieren.
  • Werkzeuge: Allenfalls braucht es ein neues Tool, mit dem Sie Ihr Vorhaben monitoren und steuern können. Was kostet das, wer nutzt und betreut es?
  • Kultur: Können die Mitarbeitenden die Veränderung mit Begeisterung und Leidenschaft mittragen? Wissen sie genug, um zu verstehen, was und warum sich verändert? Dieser «weiche» Faktor geht oft vergessen und gehört darum in den Businessplan. Wann und wie informiere ich? Wie weit sind die Mitarbeitenden allenfalls bereits in den Veränderungsprozess involviert? Wer braucht eine Weiterbildung und was kostet das allenfalls?

Für den Businessplan von bereits etablierten Unternehmen sind einige zusätzliche Dokumente erforderlich, die bei Start-up-Businessplänen noch nicht relevant sind. Wenn eine Firma erweitert oder umstrukturiert wird, können folgende Beilagen zum Businessplan erforderlich sein:  

  • Jahresabschlüsse mit Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhängen
  • Aktueller Zwischenabschluss mit Debitoren und Kreditoren
  • Kapitalflussrechnungen
  • Informationen über Maschinen, Standorte etc. des Unternehmens
  • Vorhandene Verträge von Beteiligungen, Kooperationen, Lizenzen etc.
  • Steuererklärungen

Businessplan optimieren und Schwachstellen vermeiden

Damit der Businessplan sein Ziel erreicht, sollte er kohärent, verständlich und eindeutig verfasst sein. Definieren Sie Ihre Zielgruppe möglichst genau. Definieren Sie, wer mit dem Businessplan angesprochen werden soll. Welche formalen Konventionen sind wichtig? Welche Fachausdrücke können als bekannt vorausgesetzt, welche müssen erklärt werden? Auch die Vollständigkeit ist wichtig: Prüfen Sie, ob wesentliche Informationen zur Konkurrenz, zu den Finanzen oder zum Marktumfeld vorhanden sind. Achten Sie dabei darauf, dass Hoffnung und Realität nicht vermischen. Erstellen Sie realistische Schätzungen etwa zur Finanzierung und zur Erfolgsrechnung, deklarieren Sie dabei aber auch die beste (optimistische) und schlechteste Variante. Das schafft Transparenz.

 

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