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Veröffentlicht am:    Thema: Personal

Wie der unterschätzte Bore-Out Ihrem Unternehmen schadet

Infoniqa_Bore Out

Burnout ist eine anerkannte Diagnose. Der kleine Bruder ist jedoch nicht weniger gefährlich - jedoch deutlich unbekannter. Doch wie entsteht ein Bore-Out und woran erkennen Sie, ob Sie betroffen sind?

Burnout und Bore-Out – klingt beides ähnlich. Tatsächlich handelt es sich aber um diametral entgegengesetzte Diagnosen. Einmal geht es um das Ausgebranntsein wegen chronischer Überlastung, das andere Mal geht es um chronische Langweile, die zu vergleichbaren Gefühlen führen kann. Arbeitgeber können die Symptome jeweils mit einem zugeschnittenen Talent Management lindern. 

Burnout und Bore-Out – was ist was?

Stress gehört für viele Arbeitnehmer zum Alltag. Nimmt er jedoch überhand, kann das zum Burnout führen. Hierbei handelt es sich um einen Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung. Die Betroffenen haben Probleme, sich zu konzentrieren, machen entsprechend vermehrt Fehler, die wiederum zu Stress führen, fühlen sich energielos und leiden unter psychosomatischen Irritationen: Schlafstörungen, Herzrasen bis hin zu psychischen Problemen.

Während der Burnout auf eine konstante Überlastung im Beruf zurückzuführen ist, gibt es eine Erkrankung, deren Auslöser vom genauen Gegenteil ausgelöst wird: chronische Langeweile. Manche Arbeitnehmer ödet ihr Job derart an, dass auch sie davon krank werden. Diagnose: Bore-Out.

Zu geringe Auslastung im Beruf

Wer in seinem Beruf nicht ausgelastet ist und einen großen Teil seiner Arbeitszeit mit Däumchendrehen, Online-Shopping oder ausgedehnten Privattelefonaten verbringt, verbindet mit seinem Job irgendwann nur noch Langeweile und Desinteresse – sowie ebenfalls negativen Stress. Dauert dieser Zustand an, erleidet der betroffene Mitarbeiter früher oder später einen Bore-Out.

Und so ungewöhnlich das klingen mag – dieser geht mit ernstzunehmenden Symptomen einher. Dauernde bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind da noch die kleineren Übel. Im Grunde hat eine Unterforderung am Arbeitsplatz ebenso drastische medizinische Folgen wie dauernde Überforderung.

Folgen des Bore-Outs: Haltungsschäden und Depressionen

Sie kann zu physischen und psychischen Effekten wie Haltungsschäden und Depressionen führen. Die Autoren Phillipe Rothlin und Peter Werder haben dieses Phänomen schon vor Jahren genauer unter die Lupe genommen und ihm in ihrem Buch „Diagnose Bore-out“ erstmals einen Namen verpasst.

Obwohl sich aktuell Studien häufen, die den Arbeitnehmern im Digitalzeitalter vor allem eines bescheinigen – Stress, Arbeitsbeschleunigung, Arbeitsverdichtung und Druck – ist das Phänomen Bore-Out in der heutigen Zeit keinesfalls selten. 31 Prozent der für die Studie „Randstadt Employer Brand Research“ Befragten geben an, ihren Job aufgrund von Unterforderung wechseln zu wollen. Dass es sich dabei um eine vorübergehende Erscheinung handelt, ist eher auszuschließen. In der Erhebung heißt es dazu: „Chronische Unterforderung (…) wird von Arbeitsexperten zunehmend als Problem erkannt.“

Was Bore-Out-Fälle die Wirtschaft kosten

Wie viele Ausfälle konkret durch einen Bore-Out verursacht werden und wie teuer diese die Wirtschaft zu stehen kommen, ist schwer zu beziffern. Oft verschleiern Bore-Out-Betroffene ihre berufliche Langweile sehr erfolgreich; mit Verhaltensstrategien, die das Nichtstun gegenüber ihren Kollegen kaschieren sollen.

So paradox das auch klingen mag: So mancher Bore-Out-Geplagte kehrt sein Problem gewissermaßen ins Gegenteil um, ist von früh bis spät im Büro und simuliert Überlastung. Denn wer Bore-Out hat, will eigentlich arbeiten und leidet darunter, dass er es nicht kann.

Bore-Out betrifft meist die Schnelldenker und Leistungsträger, die Aufgaben fixer bewältigen als ihre stressgeplagten Kollegen. Um diese nicht bloßzustellen oder auch, weil in der leistungsorientierten Gesellschaft Langeweile als Makel betrachtet wird und diese mit einer Stigmatisierung einhergehen könnte, gaukeln sie Arbeit und Stress vor. Im Endeffekt löst das nicht nur „selbstgemachten“ Langeweile-Stress aus, sondern führt auch dazu, dass sich der Gesamtzustand nicht ändert. Schließlich kann keiner außer dem Betroffenen erkennen, dass hier eigentlich eine chronische Unterforderung vorliegt. Ein Teufelskreis.

Bore-Out beeinträchtigt die Mitarbeiterzufriedenheit

In weniger schlimmen Fällen senkt der Bore-Out zunächst „nur“ die Mitarbeiterzufriedenheit. Haben Betroffene noch genug Kraft, bietet ihnen die aktuelle Arbeitsmarktsituation alle Chancen, sich zu verändern. Immerhin können sich gerade Leistungsträger ihre Jobs heutzutage aussuchen. Führt der Bore-Out allerdings bereits in Richtung Depression, Motivationslosigkeit, Passivität und Perspektivenlosigkeit, so ist Vorsicht geboten: Aus diesem Kreislauf aus „Aktivität simulieren – daher keine neuen Tätigkeiten erhalten – und so immer tiefer in den Bore-Out rutschen“ aktiv auszubrechen, ist ab einem gewissen Punkt ohne professionelle Hilfe fast nicht mehr möglich.

Neben der Unproduktivität kommen erhöhte Fluktuationskosten die Firmen teuer zu stehen. Nicht nur, weil die Recruitingkosten ansteigen, um die Stelle nachzubesetzen. Auch verabschiedet sich mit jedem Mitarbeiter wertvolles internes Know-how sowie Erfahrung, was die Innovationskraft des Arbeitgebers senken kann.

Was kann man gegen Bore-Out in den eigenen Reihen tun?

An dieser Stelle drängt sich die eine Frage geradezu auf: Was können Unternehmen tun, damit Mitarbeiter das richtige Maß an interessanten Aufgaben finden? Zunächst einmal ist es sinnvoll, die Hintergründe des Bore-Outs zu analysieren. Passen womöglich die Jobanforderung und die Qualifikation des Jobinhabers zum Beispiel nicht zusammen? Dann sollten die Aufgabenbereiche des betroffenen Mitarbeiters an dessen eigentliches Profil angepasst werden, um ihm neue Perspektiven aufzuzeigen und die Möglichkeit zu geben, die eigene Arbeitskraft produktiver einzusetzen.

Hier spielen mehrere Komponenten zusammen: Einerseits braucht es Fingerspitzengefühl, um Bore-Out-geplagte Kollegen zu identifizieren und das Problem konstruktiv anzugehen. Hilfreich ist zudem digitale Unterstützung z. B. in Form von Kompetenzmanagement Software, mit der sich die individuellen Talente aller Mitarbeiter erfassen und mit Positionen vergleichen lassen. Auf Knopfdruck ermitteln solche Programme passende Rollen und Funktionen.

Hilfreich ist auch eine digitale Unterstützung in der Personaleinsatzplanung, falls nicht die Qualität der Arbeit das Problem ist, sondern die schiere Menge der Tätigkeiten einfach zu gering ist, um die Fachkraft auch nur annähernd auszulasten. Mit einer geeigneten Personaleinsatzplanung lassen sich Auslastungslücken schneller erkennen und bereinigen. Zuletzt ist es elementar, in einer solchen Situation echte Chancen zu schaffen, sprich: die Tätigkeitsfelder nachzujustieren und angenehme Herausforderungen zu schaffen.

Ein solches Vorgehen hat Vorzüge für beide Seiten:

  • Der Mitarbeiter fühlt sich wertgeschätzt, weil der Arbeitgeber seine Potenziale anerkennt und fördert.
  • Das Unternehmen profitiert derweil von zufriedenen und leistungsstarken Talenten, die sich passend zu ihren Skills im Unternehmen verwirklichen können.

Talente im Unternehmen halten

Um Arbeit angemessener zu verteilen, muss häufig nicht mal eine neue Position o.ä. geschaffen werden, um ein Talent zu halten. Oftmals sind Aufgaben innerhalb eines Teams ungleich verteilt. Während der eine Kollege sich langweilt, bricht der andere vor Arbeit fast zusammen. Hier gilt es, Zeichen zu erkennen und aktiv gegenzulenken.

Wichtig ist vor allem, dass Führungskräfte für das Thema Bore-Out sensibilisiert werden und die Anzeichen zu deuten wissen, ohne die Situation zu verurteilen. So können sie Betroffene darauf ansprechen, bevor sich die Lage zuspitzt, und ihnen Hilfe in Form einer adäquaten Aufgabenbandbreite anbieten. Mission accomplished!

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